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Exit. Le droit de mourir

Streaming:
Pass:Exit. Le droit de mourir
720p,540p Français,Deutsch UT Français


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Fernand Melgar 2005 76'

Wir kennen weder den Tag noch die Stunde. Wenn uns eine mit Schmerzen und körperlichem Verfall verbundene Krankheit überfällt, blicken wir plötzlich dem Tod ins Auge. Was von unserem Leben übrig bleibt, wirkt furchtbar und beängstigend. Wie kann man sich selber und seinen Angehörigen eine langsame Agonie ersparen? Die Schweiz ist weltweit das einzige Land, wo Vereine wie EXIT sterbenden Menschen völlig legal Selbstmordbeihilfe anbieten. Seit über zwanzig Jahren begleiten ehrenamtliche Helfer Kranke und Behinderte auf dem Weg zu einem Tod ihrer Wahl, den sie für würdiger erachten. In diesem Dokumentarfilm gehen Begleiter und Begleitete den Tod direkt an: weder wie ein Tabu noch wie ein unzumutbares Ende, sondern wie eine Erlösung. Den zurückgelegten Weg beschreiben sie mit ihren Worten und Gebärden, mit ihren Überzeugungen und Zweifeln. In einer Gesellschaft, die dazu tendiert, alles zu kontrollieren, stellen sie uns vor diese ganz persönliche Frage: Ist die Wahl unseres eigenen Todes nicht unsere allerletzte Freiheit?

"Mit der Präzision der Aufnahmen, ihrer Situierungin Zeit und Raum, welche die Beziehungenzwischen den Figuren des Filmsbeschreiben, gelingt es Fernand Melgar zu erläutern,warum und wie Menschen die Fäden,die sie am Leben erhalten, durchzuschneidenbeschliessen. Es geht um Entscheidendes, nämlichdarum, in der grossen Tradition des Cinémadirect im Einverständnis mit ihnen und ohneVerfälschung ihres Verhaltens direkt auf Menschenzuzugehen, die jenseits der allgemeingültigen Moral handeln und denken. In EXIT –nach dem Namen der 1980 in der Westschweizgegründeten und heute 10'000 Mitglieder imAlter zwischen 21 und 103 zählenden Vereinigung– ist die Rede von Freiwilligen, die vonKrankheit und Leiden erschöpfte Menschen biszu ihrem bewusst gewählten Tod begleiten.Zwei verschiedene Bildebenen verleihen diesemRoman des Wirklichen die Dimensioneiner Initiation, deren kultureller und moralischerHorizont durch eine in Japan gedrehteSequenz erweitert wird. Es gibt die fliessendenEinstellungen. Sie schmiegen sich denBewegungen der Gespräche und Körper an,entschlüsseln das dringende Bedürfnis nachKomplizität und Mitgefühl zwischen den Menschen,welche die todbringenden Handlungendurchführen werden. Die Sequenz des Spaziergangsvon zwei Sterbebegleiterinnen ineiner dunstigen Landschaft mit gespensterhaftenBäumen ist stupend. Es gelingt demFilmemacher und seinem Chefoperateur, inihrem Gespräch die universellen Gedankenüber Leben und Tod festzuhalten. DieserMoment, der in einem von der Erinnerung andas Hin und Her zwischen den beiden Uferndurchzogenen Phantasieraum schwebt, gibtder Erzählung ihren beherrschten Rhythmus.Einer Erzählung, die ihren Zuschauer nie vorden Kopf stösst.
Und es gibt die festen, messerscharf kadriertenEinstellungen, welche die Strukturen einesReichs von Generalversammlungen, KomiteeundVorstandssitzungen ausloten, in denen dieReglemente, die Prozeduren, die den Akteurenvon EXIT eigenen Körperhaltungen und Technikenzum Ausdruck kommen. Und darin liegtdas Verdienst des Films, dass er gleichzeitigdie Nähe des empathischen Blicks und dieDistanz des ethnographischen Standpunktsherstellt, die bis ganz zum Schluss, bis zumäussersten Ende dessen, was Kino einzufangenwagen darf, einen moralischen Halt mitpackenden ästhetischen und erzählerischenWerten gibt."
Jean Perret, Visions du Réél Nyon